Wo das Leben beginnt und die Liebe niemals endet…

24. Mai 2017 um 10.34 Uhr stand die Zeit still.

Ich habe meine Tochter zur Welt gebracht. Die letzten Woche waren so aufregend und sehr emotional für mich. Die intensivste Zeit meiner Schwangerschaft.

Meine Geburt.

Ich war am Ende meiner Kugelzeit angelangt. Es war so schön Schwanger zu sein und ich genoss dieses Gefühl so sehr. Doch am die letzten paar Wochen sind auch sehr anstrengend geworden und ich sehnte mich endlich mein Kind in den Armen zu halten. Ich war beim Arzt und mein CTG sah die letzten male nicht so gut aus…das kleine Herzlein von meiner Tochter war sehr schläfrig was dem Arzt nicht gefiel und mir dazu riet kein Risiko auf den letzten paar Metern einzugehen und morgen in der Marien Klinik mich Einleiten lassen…für mich ein kleiner Schock, damit habe ich nicht gerechnet.

Ich rief Freunde an und Familie und erzählte das mein Arzt mich morgen Einleiten möchte und alle sagten mir das dass doch garnicht schlimm ist, Baby ist fertig und bald haben ich mein Kind in den Armen. Ich rief noch den Papa der Kleinen an…was der Anfang von einem dramtischen und enttäuschenden Ende war, aber dazu erzähle ich separat.

Morgens um 7.00 Uhr 23. Mai war ich in der Marienklinik und wurde schon erwartet. Ging ganz schnell, die Hebammen die Dienst hatten waren total nett, ich kam an das CTG und da war dann auch schon mein Arzt der mir vaginal eine Tablette verabreichte und das wars auch schon. Er schaute mich an, streichelte mein Knie und sagte bald haben Sie Ihr Mädchen und sobald es los geht bin ich da. Ich habe einen wunderbaren tollen Arzt!

Ich war total müde denn das frühe aufstehen bin ich garnicht gewohnt, ich habe in der SS immer lange geschlafen. Ich durfte hoch auf Station und dort ans Frühstücksbuffet. Auch hier waren die Schwestern so unglaublich nett! Sie nahmen mich wortwörtlich an die Hand und zeigte mir wo ich essen darf. Ein Zimmer war leider noch nicht frei für mich.

So ging ich nach dem Frühstücken wieder nach unten denn es war sehr schönes Wetter und habe mich auf die Parkbank vor der Klinik gesetzt. Ich war sehr ruhig und entspannt und Informierte meine 2 Freundinnen die dabei sein sollten bei der Geburt und natürlich meine Schwester und Mutter das alles ok ist und das vorerst keiner kommen brauch denn ich bin sehr müde und würde mich erst einmal hinlegen wenn mein Zimmer frei ist.

Ich genoss die morgendliche Sonne und setze mich an einen Baum auf dem Boden im Schneidersitz und habe mir meine Kopfhöhrer aufgezogen und hörte meine Meditationsmusik die ich mir am Vortag extra runter geladen habe für die Geburt, und Meditierte und entspannte mich völlig in der Sonne. Ich ging in mich und sprach mit meiner Tochter das Sie bald hier sein wird. Wie lange ich Saß und meditierte weiß ich garnicht, man vergisst die Zeit und schwebt einfach davon, wohin man möchte.

Mein Steißbein meldete sich dann doch irgendwann, 22 Kilo mehr merkt man mit der Zeit. Ich ging hoch, mein Zimmer war fertig, legte mich ins Bett mit meinen Kopfhöhrern und schlief ein. Es tat so gut zu schlafen.

Nun musste ich alle 2 Stunden für eine halbe stunde ans CTG. Auch hier schlief ich immer wider ein. Es war schon Nachmittag und weil meine Freundinnen warteten, sagte ich bescheid das Sie kommen können. Meine Schwester war auch so süss und stets besorgt um mich, sie kam auch und brachte mir noch auf Wunsch Getränke mit. Auch meine Schwiegermutter kam spontan noch vorbei. So hatten wir einen ganz gemütlichen Nachmittag und ich genoss die Gesellschaft meiner Leute sehr. Um die Mittagszeit habe ich nochmal ein Gel zum Einleiten erhalten und langsam kamen wie eine Art Perioden Schmerzen aber nicht schlimm. Meine Perioden Schmerzen waren für gewöhnlich heftiger.

Ich lachte viel an dem Abend und meine zwei Mädels plus meine Schwerster waren ein super Gespann das fast vergessen habe vor so viel guter Laune und Stimmung wofür ich eigentlich hier bin.

Gegen 21.00 schickte ich alle Nachhause. Ich war müde und wollte mich ausruhen und sagte meinen Leuten das ich nicht denke das heute Nacht etwas passieren wird und wenn gebe ich Bescheid. Auch Schwiegermutter sagte mir das sie schnell da sein könnte wenn etwas ist und Sie mit dem Handy bei sich schläft. Ich ging in mein Zimmer und habe auch mit meiner Mutter geschrieben und Sie beruhigt das alles ok ist und ich dann schafen werde. Ich machte mich frisch, genoss mein Abend essen und schaute noch etwas Fern im Zimmer.

Ca. 23.30 saß ich mit angewinkelten Beinen im Bett, Müde und kurz vorm einschlafen, ging mir etwas Flüssigkeit in meine Slip Einlage, nicht schlimm…kam über den Tag schon mal vor und es war nur Ausfluss. Doch es kam noch mehr Flüssigkeit hinterher aber ich war so müde das ich kein Bock hatte aufzustehen um nachzusehen ob es Ausfluss ist oder nicht. Ein paar Minuten blieb ich sitzen, ging dann aber doch nochmal aufs Klo bevor ich zu Bett gehen wollte.

Slipeinlage Nass und etwas Blut mit drin. Oh… ich sollte mal runter gehen in den Kreissaal und vielleicht das mal sagen. Ich schlenderte ganz gemütlich runter, klingelte und eine neue Hebamme machte mir die Tür auf, auch eine total Nette. Ich sagte das ich glaube Fruchtwasser verloren zu haben, sie bat mich um meine Slipeinlage und nahm sie kurz mit. Ich stand im Kreissaal den ich schon von der Kreissaal Führung kannte, setze mich aufs Bett und schaute mich um. Ich war immer noch sehr entspannt. Ich legte mein Handy neben mich, das einzige was ich mitnahm aus dem Zimmer und wartete bis die Hebamme wieder kam.

Ja Sie haben Recht es ist Fruchtwasser in der Slipeinlage. Ich war etwas verdutzt das es doch so war aber freute mich denn nun geht es bald los! Ich konnte nicht ahnen wie schnell es dann doch los ging….

ich wollte eigentlich wieder hoch in mein Zimmer doch nun ging alles raßend schnell. Nach 8 Minuten die gerade vergangen sind und ich am CTG lag, hatte ich jede Minute Wehen bekommen und zwar so starke Wehen das ich nicht mehr hoch in mein Zimmer konnte. Im Minuten Takt wurde es schlimmer und auch die Hebamme merkte und sah auch auf dem CTG das es mich völlig überrumpelt hat. Ich fing an hin und her zu laufen, was dann schnell nicht mehr ging weil die Knie nachgelassen haben, ich habe die Wehen schon laut veratmen müssen und konnte nur noch auf dem Rücken mit angewinkelten Beinen liegen. Ich schnappte mein Handy und schaffte es nicht mehr zu schreiben sondern rief meine Schwester und sagte nichts ausser das Sie kommen soll und allen andern bescheid gibt mehr konnte ich nicht mehr sagen. Sie hat aber auch nichts mehr gefragt sondern einfach getan.

Ich bin Nervös geworden, die Schmerzen unerträglich, mein Körper Fix und Fertig, völlig ohne Übergang überrumpelt und überfordert, keine Zeit um sich einzustellen. Ich war völlig weit weg und vor Schmerzen in Trance.

Meine Schwester und eine Freundin waren inzwischen da, ich bat sie bitte still zu sein und sich nicht zu bewegen sondern ruhig zu sitzen weil mich aus irgendwelchen Gründen mich das wahnsinnig gestört hat. Ich bekam Schmerzmittel in den Po gespritzt weil ich angefangen habe mich vor Schmerzen zu übergeben. Es dauerte nicht mehr lange da konnte ich mich vor Schmerzen nicht mehr mitteilen, ich konnte nicht mehr sprechen. Ich muss anscheinend völlig aphartisch geworden sein.

UND NUN KAM EINE GANZ ENTSCHEIDENDER MOMENT und plötzlich spulte mein Körper ein ganz andern Film ab und plötzlich wurde ich ganz intuitiv und meine Gedanke waren glas klar. Ich sagte mir selber. „LARA DU MUSST DICH JETZT KONZENTRIEREN SONST GEHT DAS HIER SCHIEF“ Was mit meine Körper und meinem Geist in diesem Moment passierte war magisch und auf einer ganz anderes Sinnesebene. Ich wurde ganz ruhig und bat meine Schwester wie meine Freundin bitte Nachhause zu gehen.

Für mich war völlig klar das ich das hier ganz alleine machen muss und will.

Die Zeit verging wie im Flug, ich zog um in den größeren Kreissaal. Es kümmerten sich 2 Hebammen um mich. Frau Wenke Dietrich und die Hebammenschülerin Frau Carolin Böser. Ich war bei mir, Ich war stark, ich war da und ich war mit allen Sinnen, Körper und Geist bereit meine kleine Tochter auf die Welt zu bringen.

Ich hatte kein Zeitgefühl mehr…und hatte ein Gefühl wie in einer anderen Welt zu sein. Ich hatte eine komplett andere Wahrnehmung und ich spürte meine Tochter. Ich spürte wie Sie sich den Weg bahnte nach unter in mein Becken hinein, das Gefühl was so intensiv. Ich spürte wie Sie mir am Steißbein vorbei zog und sich langsam in mein Becken drehte. Die Hebamme war die ganze Zeit bei mir, sie kam mit heißen Tüchern die sie mir auf den Unterleib drückte um die Haut wohl elastischer zu machen. Sie streichelte mich und redete mir gut zu, was mir auch sehr gut tat und kontrollierte stetig das CTG und den Zustand von meinem Unterleib.

Es waren Schmerzen, ja. Es waren höllische Schmerzen und ich erinnerte mich auch noch wie Sie sich anfühlten. Die Presswehen haben angefangen…ein Gefühl wie als würde man dir ganz langsam Millimeter für Millimeter dein Becken brechen. Ich war aber ganz leise, ich konnte nicht schreien, ich habe nicht geschrien, ich habe die Kraft gebraucht um sie nach Innen zu lenken.

Ich presste und presste aber ich presste erst an die falsche Stelle, die Hebammen reagierten und zeigten mir mit den Fingern die Stelle wo ich mit Kraft hin pressen muss. Ich holte tief Luft, hielt sie an und presste mit voller Kraft nach unten, holte kurz Luft und nochmal in einem Zug nach zu pressen. Ich atmete laut den rest meiner Luft aus. Ich schwitze vor Kraftaufwand.

Mein Wunsch war es meine Tochter in der Hocke zu bekommen, so halfen mir meine 2 Hebammen in die Hocke, die aussah wie als würde ich auf dem Plumsklo sitzen. Es ging zwar langsam voran aber gut. Ich schwitze und mein einziges Ziel war es meiner Tochter auf die Welt zu helfen. Ich nahm all meine Kräfte zusammen und schob stück für stück meine Tochter weiter nach unten. Je weiter ich sie runter drückte desto mehr hatte ich das Gefühl mein Becken reißt auseinander, was die in diesem Moment ganz egal ist, du möchtest nur das dass Kind den Weg raus findet. Ich dachte es sind schon 3 Stunden vergangen dabei gingen die Presswehen genau eine halbe Stunde.

Ich schrie das ich nicht mehr kann. Ich hatte keine Kraft mehr und die Schmerzen waren so unerträglich das ich mich ganz benebelt fühlte. Die Hebammen machten mir Mut und sagten mir “ Sie wissen nicht zu was Sie noch Fähig sind und wieviel Kraft sie noch haben“

Ich ging ein weiteres mal in mich, wurde ruhig und holte nochmal Kräfte hervor die ich so nicht kannte. Ich war wieder ganz ruhig und gab kein Muckser von mir, nutze den Schmerz und leitete die Kraft nach innen.

„Wir sehen Haare“! Langens Sie mal unten hin! Ich langte mir in den Schritt und tatsächlich ich spürte den Kopf meiner Tochter! Es fühlte sich nach Stunden an und das Gefühl einen kleinen Menschen im Becken zu haben werde ich nie vergessen, es sind Schmerzen die man nicht beschreiben kann. Gute schmerzen, die dir helfen wenn du sie akzeptierst, ansonsten stirbst man wohl einfach.

Plötzlich Hektik im Raum, mein Arzt war mittlerweile da, alles ging nun sehr schnell. Sie sagten mir nicht mehr pressen nur noch hecheln. Ich hielt mich an Ihre Anweisung und hechelte. Schnitt, Riss, Saugglocke –  und da war meine Tochter! Sie bliebt stecken mit dem Gesicht nach oben, ich wurde geschnitten, riss aber noch in alle Richtungen von der Saugglocke.

Meine Tochter floppte aus mir heraus, Ich brach in Tränen aus, ich schrie so laut vor Freude und es überkam mich so sehr. Ich weinte so laut vor Freude, Erleichterung und Glück. Alles viel von mir ab, ich war überwältigt. Ein gigantischer Moment der tatsächlich mein Leben verändert hat.

Meine Tochter lag auf mir, sie roch so gut, sie schrie, mein Kind war geboren, ich als Mutter wurde geboren, meine Liebe und mein Leben. In diesen Sekunden stand die Zeit still und mein Leben veränderte sich für immer. Wenn aus Liebe Leben wird…Meine Tochter, mein Leben…ich bin so stolz aus mein Kind sie war ganz tapfer und ist ein langen Weg gegangen bis Sie auf der Welt war und ich bin auch sehr stolz auf mich selber wie ich meine Tochter alleine den Weg frei gemacht habe zu kommen.

Ich bin Dankbar für dieses Erlebnis und diese Erfahrung.

Ich wurde Not versorgt, noch sehr lange, man betäubte mir den Unterleib das man mich operieren konnte und das alles passierte zwischen Tür und Angel und ich nahm auch das kaum noch wahr. Meine Erinnerungen an meine Umgebung fangen stunden später erst wieder an. Ich weinen immer noch jedes mal wenn ich an die Schönheit von diesem einzigartigen Moment denke.

 

Juna Emelie Celesine , 3470g, 52cm, 34cm KU, Mittwoch 24.05.2017, Marienklinik Karlsruhe und die besten Hebammen die ich mir hätte vorstellen können, Frau Wenke Dietrich und Carolin Böser.

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